Über den Workshop

Was wird für den Workshop benötigt?

Wir brauchen vor allem einen großen(!) freien Raum. Ideal wäre zusätzlich eine Bühne, das muss aber nicht sein. Der Chor sollte mindestens 4 Stücke auswendig singen können.

Wie läuft so etwas ab?

Typischerweise findet ein Workshop an einem Samstag oder Sonntag statt und dauert von morgens bis in den Nachmittag/Abend. Idealerweise treffen sich Chor und Chorleiter etwas früher und der Chor singt sich warm. Dann komme ich um z.B. 10 Uhr dazu, lasse mir ein oder zwei Stücke vorsingen und dann geht es los…

Normalerweise fange ich mit allgemeinen Übungen und Spielen an und arbeite dann im Laufe des Tages an den einzelnen Stücken. Der Chorleiter – falls vorhanden – ist dabei immer mit dabei. Mittags wird eine Pause gemacht und so etwa alle 90 Minuten gibt es eine Unterbrechung um einen Kaffee zu trinken.

Was wird in einem Workshop gemacht?

  • Spiele zum Wach- und Lockerwerden
  • Allgemeine Übungen zum Gehen, Stehen und Blicken.
  • Übungen zum Auftreten und Abtreten
  • Übungen zum Applaus entgegennehmen
  • Gestikulieren
  • Wege auf der Bühne
  • Gemeinsames spontanes Agieren auf der Bühne
  • Techniken um Choreographien zu entwickeln
  • Den Fokus des Publikums lenken
  • Wechselspiel: Musik, Moderation

Ziele

Auftritt

Ich wünsche mir, dass ein Ensemble in einer Weise die Bühne betritt, die den Eindruck erweckt, dass sich die Sänger auf den Auftritt FREUEN. Das sollte sich in den Gesichtern und auch in der GESCHWINDIGKEIT und ENERGIE zeigen, mit der die Leute auftreten.
Manchmal sieht es mehr so aus, als ginge es zu einer Hinrichtung.

Aufstellung

Es gibt viele gute Möglichkeiten, einen Chor auf einer Bühne aufzustellen. Schlecht ist nur, wenn erkennbar ist, dass eine bestimmte Aufstellung angestrebt, aber nicht erreicht wird. Wenn der Chor sich zum Beispiel zentral in die Mitte der Bühne stellen will, sollte er auch genau dort landen. Wenn der Chor zweireihig steht, sollten es auch wirklich überall zwei Reihen sein. Wenn der Chor einen „wilden Haufen“ bildet (finde ich oft gut!), sollte nicht irgendwo ein ordentliche Reihe entstehen.
Die Aufstellung von Stück zu Stück zu ändern, ist eine sehr einfache aber effektive Möglichkeit, ein interessantes und abwechslungsreiches Bild abzugeben.

Abtritt

Beim Abtreten möchte ich keine „Erleichterung, dass es vorbei ist“ wahrnehmen. Jeder Sänger bleibt so lange stehen, bis er zügig – ohne von anderen blockiert zu werden – abgehen kann.
So lange steht er da und FREUT sich, dass er noch da ist.

Anfang

Idealerweise hört das Publikum auf zu klatschen, weil die Chorleitung signalisiert: „Wir wollen anfangen“. D.h. es muss zackig gehen. Langes Töne-Geben ist kontraproduktiv, aber natürlich manchmal nötig. Wenn möglich sollte der Schwung des Auftritts in die erste Nummer überführt werden.

Blick

Viele Sänger kleben mit ihrem Blick am Chorleiter. Andere haben gar keine klare Richtung im Blick. Ich möchte das Gefühl bekommen, dass jeder einzelne Sänger sich an das Publikum wendet. Das geht, indem sich jeder Sänger VOR jeder Aussage ein Ziel im Publikum oder dahinter sucht, an das er sich richtet. Das kann AUCH MAL der Chorleiter sein, aber bitte nicht immer. Das Ziel muss kein Gesicht sein, das ist schwierig. Leichter ist eine Lehne, eine Schulter, ein Notausgangs-Schild. Diesem Ziel muss die Aussage VERKAUFT werden.
Vor einer Aussage muss die Aufmerksamkeit des Ziels eingefordert werden. „Hey! Ich möchte Dir etwas sagen!“ muss sich in einer Änderung der Körperspannung und -Haltung zeigen. VOR(!) JEDER(!) Aussage.
Das Ziel kann unter dem Horizont (im Publikum), im Horizont oder über dem Horizont liegen. Das ergibt jeweils einen anderen Eindruck und sollte bewusst eingesetzt werden. Jeder Sänger muss sich zu jeder Zeit darüber im klaren sein,  wohin er sich mit seinem Blick richtet.

Bewegung im Chor.

Es braucht für eine gute Präsentation KEINE Bewegung ausser den winzigen Bewegungen, mit denen man Aufmerksamkeit einfordert (s.o.). Größere Bewegungen wie Gestik, Schritte, etc. sind probenaufwendig und sollten sparsam eingesetzt werden.
Synchrone Aktionen, bei denen einer oder mehrere patzen, sind schlechter als keine Bewegung. Also: Synchrone Aktionen nur dann, wenn sie 100% sicher sitzen.
Falls man Bewegungen einsetzt: Jede Aktion benötigt einen klaren Start und ein klares Ende. Beides muss rhythmisch auf die Musik angepasst werden. Wann eine Bewegung (z.B. ein Geste) startet und endet muss durch Impulse klargemacht werden, damit diese Rhythmisierung deutlich wird.
Wichtig ist, dass Bewegungen (z.B. Gänge oder Schritte) nicht zu Lasten der Stabilität im Blick führen. Bei Gängen gilt z.B. die Regel „Gucken gehen stehen“, d.h. bevor ich losgehe suche ich mir einen Fokus auf den ich den Blick richte, dann  gehe ich während ich den Blick halte und komme am Ziel an. DANACH suche ich mir einen neuen Fokus.
Ich persönlich mag keine 1:1-Gestik. Also: Wenn man über die ganze Welt singt, bitte keinen großen Kreis mit den Händen formen, oder bei einer „finde ich gut“-Aussage bitte keinen Daumen hoch. Ich finde das platt, aber das ist nur meine Meinung. Eine Aussage über die ganze Welt sollte sich lieber in einer Blickrichtung zum oder über den Horizont widerspiegeln und eine „finde ich gut“-Aussage in entsprechender Mimik.

Ende von Stücken

Am Ende eines Stückes muss die Spannung gehalten werden. Idealerweise bis in den Applaus des Publikums hinein. D.h. warten, bis die Leute anfangen zu klatschen, dann noch mindestens 1 Sekunde länger warten bevor die Spannung mit einem Impuls GEMEINSAM
gelöst wird. DANACH ist es sehr wichtig, sich über den Applaus erkennbar zu FREUEN. Wenn für das nächste Stück eine neue Aufstellung eingenommen werden muss, darf das nicht sofort nach dem Lösen der Spannung geschehen. Erst muss sich GEFREUT werden. LÄCHELN!

Chorleiter

Der Chorleiter ist für die Bühnenpräsenz ein Problem. Er steht mit dem Rücken zum Publikum und zieht die Aufmerksamkeit der Sänger auf sich. Manchmal zieht er sogar durch extrovertierte Bewegungen die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich. Dann leidet
die Kommunikation zwischen Chor und Publikum. Also: liebe Chorleiter, am besten werdet Ihr für das Publikum unsichtbar oder zumindest unauffällig.

Fokus-Wechsel

Die Aufmerksamkeit des Publikums sollte rechtzeitig dorthin gelenkt werden, wo als nächstes etwas spannendes passiert. Wenn z.B. ein Solist etwas singt, möchte ich zuerst erkennen, dass der Solist gleich etwas bringt. Dann darf es ruhig ein bisschen spannend gemacht werden, bevor der Solist dann wirklich etwas singt. Also bitte nicht erst mit dem Einsatz (z.B. durch Vorgehen) die Aufmerksamkeit fordern, sondern VORHER!
Solist positioniert sich, Publikum erkennt: „Aha, da kommt gleich was…“, 2 Sekunden Spannung, Einsatz. Es darf auch ruhig mal um den Fokus gerungen werden, wenn mehrere Dinge zugleich passieren.

Allgemeines

Das wichtigste ist, dass man das Gefühl bekommt, den Sängern auf der Bühne macht es Spaß, dort zu sein und zu singen. Auch wichtig ist, dass man kein Scheitern wahrnimmt.
– Habt Spaß und zeigt es, oder tut zumindest so, als hättet ihr Spaß.
– Zieht alles durch. Niemals zu etwas ansetzen und es nicht durchführen. Z.B. niemals
auftreten (sichtbar werden) und dann nicht kommen. Wer zu einer falschen Geste ansetzt
sollte sie selbstbewusst durchführen.
– Ärgert euch nicht über eigene Fehler. Ärgert euch erst recht nicht über Fehler von
Mitsängern. Nehmt offensichtliche Fehler erkennbar mit Humor.